Der Letzte seiner Art – Mai 2023

Und jetzt klappt es doch noch. Nach einigen Monaten Pause tauche ich genau im richtigen Moment in der Werft auf. Es ist Mitte Mai 2023 und heute wird der letzte von etwa 75 Decksbalken angefertigt. Diese sollen durch ihre leicht gebogene Form nicht nur dem Rumpf Stabilität verleihen, Gewicht und Kräfte vom Mast aufnehmen, sondern auch für eine tragfähige Unterkonstruktion des Decks sorgen. Dass das überkommende Wasser vom Deck durch die Speigatten abfliessen kann, ist ein weiterer praktischer Effekt der leichten Wölbung.

Gerade Linien und rechte Winkel sind also auch in diesem Fall wieder zu „einfach“ für die Bootsbauer und daher ist erneut ein Griff in die konstruktorische Trickkiste gefragt.

1.     An der entsprechenden Stelle wird die Decksbreite gemessen, auf den Schnürboden oder das Schablonenholz abgetragen und in 8 gleich grosse Strecken geteilt.

2.     Auf diese Grundlinie setzt Axel nun die Mittelsenkrechte mit der Höhe des Balkens ab (rechts und links nun je vier gleich grosse Teile).

3.     Auf der Mitte der Grundline wird, mit der Balkenhöhe als Radius ein Viertelkreis geschlagen und mit einem Zirkel über drei Winkelhalbierende in vier gleich grosse Teile unterteilt.

4.     Auch auf der Grundlinie – zwischen Mittelsenkrechte und Schnittpunkt der Bogenline – werden jetzt nochmals vier gleich grosse Teile markiert (Höhe des Decksbalkens (Radius) / 4).

5.     Jeder Punkt auf diesem kleinen Teil der Grundlinie muss nun mit dem jeweils schräg über ihm befindlichen Punkte auf dem Viertelkreis verbunden und die Strecke gemessen oder mit dem Zirkel abgetragen werden.

6.    Denn jetzt geht es nochmal zurück zu den Markierungen auf der Grundline: Der Bootsbauer zeichnet auf diese ebenfalls senkrechte Geraden.

7.     Von der Mitte nach aussen werden darauf nun die Masse aus dem Viertelkreis absteigend abgesetzt.

8.    Nun kommt eine Straklatte zum Einsatz, die vom einen Ende der Grundlinie bis zur Markierung der Decksbalkenhöhe auf der Mittelsenkrechten alle so konstruierten Punkte verbindet.

Das Vorgehen wiederholt sich auf der anderen Seite der Mittelsenkrechten.

Hat man erstmal den «Bogen raus», ist dies eine einfache, schnelle, genaue und platzsparende Methode auch bei grösseren Schiffen eine Schablone für die Formverleimung anzufertigen.

Ist der Balken erst einmal fertig verleimt, stehen noch die Feinheiten an. Das neue Stück wird quer zwischen den beiden Rumpfseiten eingefügt. Auch die Rahmen der zukünftigen Decksluken müssen auf gleiche Weise zwischen den Decksbalken eingepasst werden. Weitere Längsverstrebungen sorgen insbesondere im Bereich der Beschläge für zusätzliche Stabilität.

Genau so wie der Rumpf soll auch das Deck straken: die Rundungen spannen sich ohne „Berge“ oder „Täler“ gleichmässig in alle Richtungen auf. Überprüft wird dies immer wieder millimetergenau mit einer Straklatte.

Ist auch das Deck aus Bootsbausperrholz exakt angepasst, demontieren Axel und seine Kollegen die gesamte Konstruktion, um alle Einzelteile mehrfach zu lackieren. Erst nach Abfolge dieser endlos anmutenden Einzelschritte kann alles endgültig zusammengefügt werden.